Vesalia Hospitalis


Vesalia Hospitalis

Einst zog ein graues Tier durchs Land,
mit riesig langen Ohren.
Es war wohl von geringem Stand,
denn niemand reichte ihm die Hand,
`s blieb einsam und verloren.

Im Norden sah es Strand und Meer,
das Hofbräuhaus im Süden.
Oft waren Herz und Seele schwer,
die Heimat fehlte ihm so sehr,
ein Ort voll Glück und Frieden.

Stets weiter ging die Wanderschaft,
durch Täler und auch Höhen.
Sein Wunsch bewahrte ihm die Kraft,
sonst wär´ er längst dahingerafft,
das Ziel sollt´ nicht verwehen.

Ein Städtelein lag vor ihm bald,
am schönen Niederrheine,
mit blauem Fluss und Auenwald,
aus dem das Wort Willkommen schallt,
hier war er nicht alleine.

Freundlich reichte man Heu und Stroh,
schenkte ihm Stall und Weide.
Hier war er seines Lebens froh,
kein Reisen mehr nach anderswo,
weit fort von Gram und Leide.

Bald kam ein Mädchen, jung und fein,
sprach neugierig zum Grauen:
„Bist weder Ziege, Pferd noch Schwein,
was kannst Du für ein Wesen sein,
wirst Du ´s mir anvertrauen?“

„Ach Mädel“, sprach verlegen er,
„Wirst nur über mich lachen.
Esel rief man mir hinterher,
vom Süden bis zum blauen Meer,
oftmals mit Spott und Lachen.“

Das Mädel streichelte sein Fell.
„Du wunderschöner Esel.
Dein Name passt zu unsrer Stadt,
in der man Dich so gerne hat,
bleib hier bei uns in Wesel.“

Und bald klang überall im Land,
das Echo lustiger Geister.
Es galt dem Reim den man erfand,
in dem nicht nur der Esel stand,
nein, auch der Bürgermeister.

Seitdem, wenn einer fragt: „Ihr Leut`,
wie heißt bei euch in Wesel,
denn nur der Bürgermeister heut´?“,
antwortet man, mit Stolz und Freud`:
„Seit vielen Jahren Esel“.

 

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